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Jule`s Geschichte

Jule´s Geschichte beruht nicht auf reinen Tatsachen weil wir ihr Leben nur bis zu dem Punkt zurückverfolgen können, als sie von einer engagierten Tierschützerin gerettet wurde. 
Wie es wirklich dazu kam, dass Jule in der Tötung landete und wie ihr Leben davor ausgesehen hatte, darüber können wir nur spekulieren... 
Wahr ist, dass Jule von einer lieben Tierschützerin aus der Tötung gerettet wurde und dass sie bei ihr danach eine längere Zeit gelebt hat.

 
Jule´s Geschichte

 

 


 

 

Hola, darf ich mich vorstellen, mein Name ist Jule!

Ich komme aus Spanien, bin ein ca. im Jahr 2003 geborenes Rauhhaar-Galgo-Mädchen und wohne seit Anfang Juli 2005 in Deutschland bei einer Familie die ich über alles liebe. Mein Herrchen in Spanien ist ein Galguero (Jäger) der mich damals in einer Perrera (Tötungsstation) abgegeben hat. Er wollte mich nicht mehr haben. Vielleicht bin ich für ihn zu langsam geworden? Wahrscheinlich lag es aber auch mit daran, dass ich auch Angst bekommen habe, weil es immer so schrecklich laut geknallt hat, wenn die Jäger geschossen haben. Ich fürchte mich nämlich vor lauten Geräuschen – da möchte ich am liebsten davonlaufen und mich verkriechen.

Wenn es gewittert ist es ganz schlimm!

Mein ganzer Körper fängt an zu zittern und zu schlottern und ich muss vor lauter Aufregung und Angst ganz arg hecheln! Gott sei dank bin ich jetzt bei lieben Menschen zu Hause, die mich nicht allein lassen, wenn ich mich so fürchte. Sie streicheln mich und sprechen leise mit mir, und ich spüre, dass sie mich sehr lieb haben und mir helfen wollen. Eigentlich will ich ihnen dann zeigen, dass mir das so gut tut, aber irgendwie schaffe ich das momentan noch nicht. Meine Vergangenheit ist immer noch zu gegenwärtig!

Wenn ich heute auf meinem kuscheligen Sofa liege kommt es mir vor, als hätte es nie etwas anderes in meinem Leben gegeben, aber manchmal träume ich doch noch von meinem Leben in Spanien….

Mein Herr kam damals in die Hütte, in der ich mit meinen Freunden und meiner Familie gewohnt habe und hat mir eine Schnur um den Hals gelegt. Ich habe ihn freundlich angewedelt und ihm mein schönstes Lächeln geschenkt. Jetzt gehen wir bestimmt wieder gemeinsam auf die Jagd! Freudig bin ich neben ihm hergetrabt und hab ihn angeschaut, aber er hat meinen Blick nicht erwidert. Das macht nichts, ich weiß ja wie stolz er auf mich ist und wie sehr er mich mag! Er gibt mir Futter und Wasser – und ich gebe mir Mühe, für ihn eine geschickte und schnelle Jägerin zu sein und alles richtig zu machen. Manchmal gelingt mir das nicht. Dann wird mein Herrchen sehr böse und schlägt und tritt nach mir! Aber das ist meine Schuld! Ich war nicht gut und schnell genug an diesem Tag! Morgen werde ich mich noch mehr bemühen, damit er zufrieden mit mir ist!

Heute ist irgendwie alles ganz anders. Keiner außer mir und meinem Herrn sind da! Nur eine andere Hündin und ein Rüde die ich nicht so gut kenne sind schon am Auto festgebunden. Sie beachten mich gar nicht. Ich schaue meinen Herrn fragend an aber er nimmt nur die Stricke der zwei anderen Hunde und steckt uns ins Auto. Wir fahren über holprige Straßen – Wege die ich nicht kenne. Bestimmt hat er uns für eine ganz besondere Jagd ausgesucht, weil wir so schnell und so geschickt sind! Heute werde ich ihm beweisen, dass ich die beste und schnellste Jägerin bin und ich werde die meisten Kaninchen für ihn fangen! Dann wird er wieder sehr stolz auf mich sein und mir vielleicht auch mal über meinen Kopf streicheln. Ich liebe ihn noch viel mehr wenn er das tut! Während ich noch vor mich herträume merke ich, dass das Auto angehalten hat. Als die Tür aufgerissen wird stehen die anderen beiden ganz hinten in der Ecke. Ihre Ruten sind zwischen ihren Hinterläufen verschwunden und fest gegen ihre Bäuche gepresst. Was haben die beiden nur? Sie brauchen sich doch nicht zu fürchten wenn wir auf die Jagd gehen! Mein Herr schnappt sich die Seile, die noch um unserer Hälse baumeln

und zerrt uns aus dem Wagen. 

Wo sind wir nur? 
Um mich herum ohrenbetäubendes Bellen, Gitterhäuser hinter denen hunderte von Hunden stehen und uns mit ihren traurigen Augen anstarren! Mein Herr zerrt uns zu den Gitterverschlägen. Jetzt bekomme ich langsam Angst. Mein Schwänzlein wandert auch meinen Bauch entlang. Es scheint dort festgewachsen zu sein, so sehr fürchte ich mich. Wieso bellen uns die anderen so wütend an? Wir tun ihnen doch gar nichts. Die kleine braune Galga versucht vor Angst aus der Schlinge zu schlüpfen aber mein Herr zerrt so fest an ihr, dass sie dabei fast erstickt! Ich drück mich sicherheitshalber an seine Beine. Er wird mich schon beschützen. Ich vertraue ihm! Mein Herr geht auf einen Mann zu, den ich nicht kenne. Sie wechseln ein paar unverständliche Worte. Der Mann schaut mich mit seinen schwarzen Augen an. Ich fürchte mich vor ihm. Schnell Herrchen, lass uns nach hause fahren – weg von diesem schrecklichen Ort!

Mein Herrchen überreicht dem Fremden die Stricke, dreht sich um und geht schnellen Schrittes davon.Ich blicke ihm ungläubig nach, möchte ihn rufen: Wo gehst du hin, nimm mich doch mit… aber  kein Laut dringt aus meinem Mund. Stattdessen stehe ich regungslos da und blicke ihm traurig nach. Der Mann führt uns zu einem der Zwinger. Er murmelt vor sich hin. Ich kann nicht verstehen was er sagt, aber es klingt wie ein leiser Fluch. Der Zwinger ist voller Hunde, dort passen wir doch gar nicht mehr rein! Aber der Mann ist anderer Meinung. Er schlägt mit einem Stock gegen die Gitter und treibt die Bewohner von der Tür weg. Einige jaulen auf, weil der Stock sie an den Pfoten oder an der Nase getroffen hat, die sie durch die Gitter gesteckt hatten. Wir werden in den Verschlag geschoben, der Mann zieht uns die Stricke vom Kopf und knallt die Tür hinter uns zu. Dann geht er schlurfenden Schrittes davon... 

Da stehe ich nun. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals, ich hechle und zittere und fürchte mich ganz schrecklich. All die fremden Hunde um mich herum! Ich habe Angst – schreckliche Angst!

Sie riechen an mir – überall. Ich möchte weglaufen… wohin?! Egal in welchem Eck ich mich verkriechen will – sie sind überall und wollen wissen wer ich bin. Manche knurren mich an – und ich möchte nur noch eines: weg – weg – weg….

Bald schon wird mein Herrchen zurückkommen und mich hier rausholen.
 
Ich schleiche mit eingezogenem Schwanz und gesenktem Kopf zum Gitter und starre in die öde, verdorrte Landschaft. Steine und Sand und ein heißer Wind der den Staub aufwirbelt – aber nirgendwo kann ich mein Herrchen finden…

Es wird schon dunkel als ich vor Müdigkeit und Erschöpfung in mich zusammenfalle und einschlafe.

Da ist mein Herr! Er ruft nach mir! Ich stehe auf und tänzel mit gesenktem Kopf freudig wedelnd auf ihn zu. Vertrauensvoll lege ich mich neben ihm nieder.Eine wohlige Erleichterung erfüllt meinen Körper und ich blicke ihn dankbar an.
Plötzlich ertönt lautes Gebell um uns herum... 

...und als ich erschreckt in die Höhe fahre, ist mein Herr verschwunden...

Ich laufe zum Gitter und starre gebannt in die vertrocknete, öde Landschaft. Kein Auto, kein Herrchen weit und breit.
....

Der Mann mit den schwarzen Augen steht bei uns im Zwinger. Er bringt Wasser und ein wenig Futter für uns alle. Auch ich werde einen Schluck trinken. Der heiße Wind und die Sonne haben mich ausgetrocknet. Dann werde ich auf meinen Platz zurückkehren und warten. Bald wird mein Herr kommen um mich heim zu holen…

Viele Tage sind vergangen seit ich hergekommen bin. Jeder Tag scheint hier endlos. Es gibt keinen Schatten und mir geht es elend. An manchen Tagen kommt Schwarzauge mit ein paar anderen Männern. Dann holen sie Hunde aus ihren Zwingern. Sie zerren sie an Stricken von uns fort. Aus meinem Zwinger haben sie auch schon 5 Hunde geholt. Ich habe gesehen, wie sie mit ihnen in einem Gebäude verschwunden sind. Sie kamen nicht wieder zu uns zurück. Bestimmt hat dort hinten ihr Herr gewartet und sie mitgenommen. Wenn mein Herr doch nur auch bald kommen würde…. Ich fühle mit jedem Tag, wie die Kraft mehr und mehr aus meinem Körper weicht. Mein Fell ist stumpf und verschmutzt. Ungeziefer hat sich darin eingenistet. Meine Haut juckt und ist entzündet und ich werde immer schwächer.
Ich muß mich ausruhen, schlafen, vergessen....

Wieder werde ich durch bellen geweckt. Aber es klingt viel aufgeregter als sonst. Ich versuche aufzustehen. Es kostet mich jeden Tag mehr Kraft und Überwindung.

Meine Mitbewohner drängeln sich dicht an die Gitter und drohen mich zu zerquetschen.

Warum drückt ihr denn so – he, passt doch auf, ihr tut mir weh!

Dann kann ich es auch sehen. Unbekannte Gesichter laufen an den Zwingern vorbei. Sie zeigen mit den Fingern auf verschiedene Hunde, machen sich Notizen auf Zetteln und gehen weiter. Dann kommen sie an unserem Gitter an. Es sind 2 Frauen und 1 Mann. Sie bleiben stehen, sprechen miteinander, zeigen auf verschiedene meiner Mitbewohner, notieren etwas. Die Hunde wedeln sie freundlich an, jaulen und schreien. Ich bin mitten in der Meute gefangen, kann mich kaum rühren. Dann gehen sie auch schon weiter. Sie haben mich nicht gesehen. Ist das gut oder schlecht? Die Meute trollt sich wieder in die Ecken, nur ein paar bleiben noch vorne am Gitter stehen und jaulen. Ich schleiche auch wieder auf mein Plätzchen ganz vorne, damit ich weiter Ausschau nach meinem Herrn halten kann. Doch mit jedem Tag wird meine Hoffnung kleiner und mein Lebenswille auch. Er wird nicht mehr kommen….

Als ich meinen schlaffen Körper in den heißen Sand fallen lasse und traurig seufze steht auf einmal diese Frau vor mir. Gott welch ein Schreck! Ich fahre hoch, kneife mein Schwänzlein ein und weiche in eine Ecke zurück! Die Angst steht mir wohl ins Gesicht geschrieben, denn die Frau kniet sich vor meinem Zwinger hin und redet leise auf mich ein. Sogleich kommen ein paar Hunde angelaufen und schnuppern an der hingehaltenen Hand. Sie strecken ihre Pfoten und Nasen durch die Gitter und jaulen. Ich stehe nur da – mit gesenktem Kopf und beobachte sie mißtrauisch. Sie ruft – wahrscheinlich nach den anderen Menschen, denn die kommen sogleich zu meinem Zwinger zurück. Es wird gesprochen, gezeigt und notiert. Dann gehen sie wieder fort. Ich muss mich hinlegen. Ein aufregender und kräftezehrender Tag geht zu Ende.
 

Einige Tage später – ich habe mich gerade in eine Ecke getrollt um ein wenig Ruhe zu haben vor den anderen – höre ich wieder die Stimmen der Frauen. Ich spitze meine Ohren. Vielleicht kann ich ja irgendwas verstehen. Da stehen sie – die Frau, die sich hingekniet hat, die andere Frau und der Mann. Sie diskutieren mit Schwarzauge und fuchteln mit ihren Armen. Ich beobachte sie aus meinem sicheren Eckchen. Plötzlich kommt der Schwarzäugige in meinen Zwinger. Die Hunde weichen vor ihm zurück und ich schließe mich ihnen an. Dicht zusammengedrängt stehen wir in einer Ecke. Er legt einem großen cremefarbenen Rüden eine Schnur um, dann noch der kleinen gestromten Hündin, die erst vor ein paar Tagen hier ankam, auch die weiße und die rehbraune Galga bekommen eine Schnur verpasst. Dann kommt er plötzlich auf mich zu. Ich mach mich so klein ich kann und senke meinen Kopf. Vielleicht sieht er mich ja nicht. Aber er schnappt mich am Genick, zieht mich vor und legt auch mir einen Strick um den Hals. Mein Schwänzlein ist mal wieder unter meinem Bauch festgewachsen vor lauter Angst. Er schleift mich und die anderen an der Schnur zur Tür. Die Hunde schnuffeln um uns herum. Sie können unsere Angst riechen. Schwarzauge zwingt sie mit seinem großen Stock beiseite zu gehen, öffnet die Tür und zerrt uns aus dem Zwinger heraus. Da stehe ich nun mit den anderen. Mein Herz klopft mir vor Aufregung bis in den Hals. Was wird nun mit uns geschehen? Die Leute reden noch kurz mit Schwarzauge, nehmen dann unsere Schnüre und führen uns fort. Weg von meinem stinkenden Gitterzwinger, weg von den laut und wehmütig jaulenden und bellenden Hunden, weg von der trostlosen, heruntergekommenen Steinfassade. 
Ich fürchte mich und weiß nicht wie mir geschieht. Die Leute bringen uns zu einem großen weißen Auto und stecken uns in kleine Plastikkäfige, die vorn ein Gitter haben. Die Frau die gestern noch einmal zu mir zurückgekommen ist spricht beruhigend auf mich ein und streichelt mir über meinen Kopf bevor sie die Gittertür schließt. Wieder geht es über holprige Straßen. Ich lege meinen Kopf zwischen meine Pfoten und versuche ein wenig zu schlafen. In der Box liegt eine weiche Decke. Das fühlt sich so gut an…

Als das Auto ruckartig stehen bleibt, wache ich auf. Die große Wagentür öffnet sich und die nette Frau öffnet meine Box und die der gestromten Galga. Ich steige vorsichtig aus und sehe mich um. Nicht weit entfernt steht ein kleines hübsches Haus. Im Garten blühen Blumen und die Bäume sind saftig grün und spenden wohltuenden Schatten. Bestimmt ist das alles auch nur wieder ein Traum und ich wache gleich in dem stinkenden, staubigen Zwinger auf. Es wird noch kurz geredet, dann geht die Frau mit mir und der gestromten Galga zum Haus. Drinnen ist es angenehm kühl und es riecht gut. Sie führt uns in einen kleinen Raum in dem es angenehm duftet. In der Ecke stehen kleine Körbchen mit kuscheligen Decken die zum träumen einladen. Die Frau streichelt mir über den Kopf, sagt irgendetwas und nimmt ein merkwürdiges Gerät zur Hand. Sie fängt ganz vorsichtig an, meine Haut von dem Ungeziefer zu befreien, dass sich in mein Fleisch gefressen hat. Das fühlt sich gut an. Ich halte ganz still damit sie in Ruhe weitermachen kann. Als sie fertig ist, spricht sie ganz leise und sanft mit mir. Der Klang ihrer Stimme beruhigt mich und ich kann mich ein wenig entspannen. Anschließend geht sie mit mir in einen merkwürdig aussehenden Raum. Sie hebt mich in ein viereckiges Ding und plötzlich werde ich ganz nass! Ich fürchte mich… was passiert denn nun? Ich spüre wie sie mit ihren Händen über mein Fell streicht und irgendetwas darauf verteilt. Dabei spricht sie die ganze Zeit beruhigend auf mich ein. Ich werde nochmal nass und dann in ein weiches Tuch gehüllt. Ihre Hände rubbeln jetzt fester über mein Fell aber es fühlt sich immer noch gut an. Sie trägt mich in den kleinen Raum zurück in dem die Körbchen stehen und legt mich auf eine kuschelig weiche Decke. Ich senke meinen Kopf und schau sie ängstlich an. Sie lächelt und strubbelt mir über mein gut duftendes Fell. Dann dreht sie sich um und kümmert sich um die gestromte Galga. Aufmerksam beobachte ich aus meinem Körbchen heraus,was nun geschieht. …was ist nur mit meinen Augen los? Sie werden so schwer… ich muss doch aufpassen… aber ich bin so erschöpft und müde, dass ich einfach einschlafe.

Ich bin nun schon ein paar Wochen bei der netten Frau. Es geht mir hier richtig gut. Manchmal schimpft sie mit mir, wenn ich mir in der Küche etwas genommen habe, sie aber der Meinung ist, dass das für die Menschen gewesen wäre! Ich warte auf meine Bestrafung. Aber sie hebt nur den Finger und spricht lauter als sonst mit mir. Ich schleich mich dann mit angezogenem Schwanz und gesenktem Kopf aus dem Raum und verkriech mich in mein Körbchen. Sie ist ganz anders als mein Herr!

Als ich mal wieder morgens hinter meiner netten Frau herlaufe kommt Besuch. Es ist die andere Frau die mich aus meinem Gefängnis befreit hat. Sie redet mit meinem Frauchen, das immer wieder zustimmend mit dem Kopf nickt.Dann streichelt die Frau mir über den Kopf – sagt irgendwas Unverständliches und ich schaue mein Frauchen fragend an. Sie hat Wasser in den Augen das ihr die Wangen runterläuft. Ich halte meinen Blick auf ihr Gesicht gerichtet. Es fällt mir schwer, den Ausdruck in Frauchens Augen zu deuten. Sie muß wohl merken, dass ich verunsichert bin, denn sie streichelt mit ihrer gütigen Hand sanft über meinen Kopf. Das tut so gut.  Endlich habe ich jemand gefunden, der mich liebt.

Am nächsten Morgen kommt die andere Frau wieder. Sie öffnet die große Tür des Autos. Da sind wieder die Boxen! Hilfe – nicht wieder zurück! Ich will nicht mehr dorthin!! Sofort packt mich die Angst. Mein Schwänzlein klemmt zwischen meinen Beinen und ich zittere am ganzen Körper. Mein Frauchen spricht ruhig und leise mit mir. Sie fühlt meine Panik. Langsam geht sie mit mir zu der Box. Dann holt sie ein Halsband hervor. Es ist aus braunem Leder und ein Name ist eingraviert. Sie sagt wieder dieses Wort, dass sie schon lange sagt, wenn sie zu mir spricht, es klingt so ähnlich wie „Jule“ aber ich kann es nicht richtig verstehen. Ich schau sie fragend und ängstlich an während sie mir mein Halsband anlegt. Sie kniet sich neben mich, legt ihre gütigen, sanften Hände um meinen Hals und drückt ihr Gesicht in mein Fell. Dann löst sie sich von mir. Was hat sie nur? Die andere Frau führt mich an der Schnur bis zu der Box die sie auf den Boden gestellt hat. Fragend dreh ich mich zu meinem Frauchen um. Sie kommt auf uns zu uns spricht leise mit mir. In der Hand hält sie die kuschelige Decke aus meinem Körbchen. Sie legt sie in die Box und schiebt mich dann ganz sanft hinein. Da sitz ich nun und bebe vor Furcht. Was hab ich nur falsch gemacht, dass ich fortgehen muss? Ich werde es besser machen nächstes Mal! Versprochen! Aber bitte schick mich nicht fort! 
Doch sie schließt die Gittertür und verriegelt sie fest. Sie hat wieder dieses Wasser im Gesicht, das ich gestern schon bemerkt habe und ihre Stimme klingt irgendwie ganz anders. Zu zweit heben sie meine Box ins Auto. Dort steht schon eine andere große Box drin in der die rehbraune Galga sitzt. Ausserdem gibt es noch eine kleinere Box mit einem weißen Hund und eine Tasche mit einem winzigen Babyhündchen. Dann schließt sich die Tür und das letzte was ich von meinem Frauchen sehen kann ist der traurige Blick in ihren wässrigen Augen.


Traurig und gedankenverloren blicke ich in die an uns vorbeifliegende, vor Hitze flimmernde Landschaft und fühle mich so schrecklich leer. Ich hatte noch nicht einmal Zeit gehabt, meinem Frauchen dafür zu danken, dass ich die schönste Zeit meines Lebens bei ihr verbringen durfte....

Die andere Frau bringt mich in eine Stadt. Dort trifft sie sich mit einer blonden Frau und einem Mann mit denen sie ein paar Worte wechselt und ihnen dann noch einen Umschlag überreicht. Sie stellt meine Box auf ein merkwürdiges Wägelchen und fährt mit mir in eine große Halle. Die blonde Frau schiebt den anderen Wagen mit der braunen Galga, der kleinen Box und der Tasche. Viele Menschen laufen aufgeregt hin und her. Ich fühle mich ganz klein und verlassen und möchte heim zu meinem Frauchen!!

Wir gehen zu einem Menschen, der auf meiner Box einen Kleber anbringt. Die andere Frau verabschiedet sich von dem fremden Paar. Sie schaut noch einmal in alle Boxen – auch in meine – sagt noch leise etwas und geht dann davon. Ich werde durch noch eine Halle geschoben, dann auf einen großen Wagen gepackt und zu einem merkwürdigen Ding gefahren. Es steht draußen und ist riesengroß. Menschen heben meine Box herunter und stellen sie auf ein Gerät das mich in den Bauch des Riesenmonsters befördert. Ich werde mit meiner Box in eine Ecke gestellt. Die rehbraune Galga steht gleich neben mir und die kleine Box ist auch ganz nahe bei uns. Ich spüre wie die Müdigkeit in mir wächst. Es war anstrengend und aufregend – und die Angst tut ihr Übriges. Schlafen, hinlegen… aber ich sitze aufgeregt hechelnd in meiner Box und mag mich nicht legen. Was geschieht nur mit uns?

Mit einem Mal wird es schrecklich laut und ein Rucken geht durch das schreckliche Ding. Ich schau in die Augen der Galga und fühle, dass sie sich genauso fürchtet wie ich. Es ist dämmrig in dem Raum und irgendwann döse ich über das merkwürdige Brummen, das die Luft erfüllt, ein. Erst als wieder ein großer Ruck durch mich hindurchfährt setze ich mich aufgeregt hin. Ich habe Durst, fühle mich schrecklich und habe Angst. Die braune Galga hechelt auch. Wieder werden wir auf Wägelchen geladen und durch Hallen geschoben. Ich bin am Ende. Habe keine Kraft mehr. Meine Augen brennen und meine Beine sind schwer vom vielen sitzen. Eine Tür öffnet sich und die Frau schiebt mich in eine neue Halle die hinter der Tür verborgen war. Sie stellt mich auf meinem Wagen in eine ruhigere Ecke. Auch hier laufen viele fremde Menschen aufgeregt hin und her. Ein Mann und eine Frau kommen auf meinen Wagen zugelaufen. Sie begrüßen die Frau die mich geschoben hat und reden ein paar Worte. Dann knien sie sich hin und schauen in meine Box. Ich habe Angst, bin erschöpft und durstig. Ich hechle sie an und meine Augen brennen wie Feuer. Sie reden ganz ruhig und sanft. Es dauert noch eine Ewigkeit, bis sie mich aus der Halle schieben. Draußen ist es angenehm frisch und ich atme die kühle Nachtluft ein. Sie tut mir gut. Ich kann wieder ruhiger schnaufen. Als wir an einem Auto ankommen öffnet der Mann meine Box. Er spricht ganz leise. Seine Stimme hört sich angenehm und tief an. Vorsichtig und langsam greift er nach meinem Halsband und führt mich aus der engen Box heraus. Es tut gut, mal wieder die Beine zu strecken. Er legt mir eine Leine an und ich darf ein paar Minuten draußen umherlaufen. Die Frau kommt zurück. Wir steigen alle in das Auto und fahren los. Sie haben hinten eine Decke für mich hingelegt, damit ich es weich und kuschelig habe. Die Frau sitzt bei mir und spricht die ganze Zeit beruhigend auf mich ein. Es tut gut, ihre leise Stimme zu hören. Ich fühle mich schon viel ruhiger und mein Herz schlägt auch nicht mehr so schnell. Ich werde es riskieren und mich auf der Decke ganz vorsichtig ausstrecken. Das tut gut. Eine Hand streichelt mir sanft über das Fell und langsam kann ich mich entspannen.

Das Auto hält. Mein Kopf schnellt hoch. Was nun?! Wo bin ich. Die Tür wird geöffnet. Der Mann nimmt mich am Halsband und hilft mir vorsichtig aus dem Auto. Die beiden Menschen gehen mit mir durch ein großes Tor und führen mich in einen dunklen Hof. Sie sprechen ganz ruhig und immer wieder höre ich ein vertrautes Wort das so ähnlich wie „Jule“ klingt. Wir gehen gemeinsam nach hinten. Ich laufe über weiches Gras. Alles hier riecht aufregend und fremd. Drinnen im Haus bellt es. Die Frau öffnet die Haustür und ein kleiner schwarzer Hund kommt laut bellend auf mich zugeschossen. Ich zieh erst mal sicherheitshalber mein Schwänzlein ein. Die kleine aufgeregte Kläfferin wird mir als Molly vorgestellt. Ich werde sie erst mal gar nicht beachten, weil sie gleich am ersten Abend nach mir schnappen wollte. Dabei hab ich sie doch nur zum spielen aufgefordert…

 

So kam ich also zu meiner neuen Familie nach Deutschland. Und ich kann mich wirklich nicht beschweren. Alle hier sind unheimlich lieb zu mir und ich erwidere ihre Liebe von ganzem Herzen. Manchmal denke ich noch an mein liebes Frauchen in Spanien…. Hin und wieder kommt es auch noch vor, dass ich von der schrecklichen Zeit dort drüben träume. Schrecklich deshalb, weil ich hier gemerkt habe, dass es auch ein anderes Leben geben kann. Ein Leben voller Liebe, Geborgenheit und Glück! Mit Hilfe meiner Familie habe ich mich zu einer selbstbewussten kleinen Galga entwickelt und ich habe entdeckt, dass man mit den Menschen und den anderen Hunden ausgelassen spielen kann. Ich liebe mein Frauchen und mein Herrchen abgöttisch – und die Kinder sind auch immer so lieb zu mir. Ich versuche immer noch alles richtig zu machen – aber auch wenn ich mal vergesse, dass Frauchen es überhaupt nicht mag, wenn ich jagen gehe, werde ich nicht bestraft. Ich habe sogar das Gefühl, dass sie sich freut, wenn ich zu ihr zurückkomme und mir nichts passiert ist!

So, jetzt werde ich euch verlassen. Herrchen ist gerade heimgekommen und das Nachmittags-Gassi steht an! Dann gibt es feines Futter und mit vollgefressenem Bäuchlein und müdegerannten Beinen schläft es sich auf dem Sofa besonders gut!

 

Vielleicht konnte meine kleine Geschichte auch dein Herz ein wenig für uns spanische Hunde erwärmen. Vielleicht hilft sie dir bei einer Entscheidung, wenn du weißt wie lieb und dankbar wir kleinen Spanier sind! – und wer weiß… vielleicht schickst du mir eines Tages die Geschichte eines anderen spanischen Hundes, der durch die Hölle gegangen und im Himmel angekommen ist!

Es könnte dein Hund sein….

 

Ich danke euch allen, dass ihr meine Geschichte bis zum Ende gelesen habt!

 

Eure Jule

                                                                © Text und Bilder Anja Herok


Anmerkung:
Heute ist Villamartin keine Tötungsstation mehr! 
Villamartin, das heutige "San Anton", wurde Dank dem großartigen Engagement und der Hartnäckigkeit von Tierschützern und dem dort arbeitenden Tierarzt Juan zu einer Auffangstation für ausgesetzte Hunde umgebaut. Gebäude und Zwinger wurden modernisiert, Freilaufgehege für die Hunde wurden angebaut und die medizinische Versorgung der Tiere ist dank der aufopfernden und liebevollen Arbeit von Juan sehr gut!
 

Traurige Realität ist, dass trotz großer Vorsichtsmaßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen, auch heute noch Galgos von skrupellosen Jägern und Zigeunern aus der Auffangstation "San Anton" gestohlen werden. 
Der Zweck ist, sie erneut für die Jagd zu mißbrauchen - auch wenn es NUR für eine Saison ist. 
Anschließend unbrauchbar geworden landen sie wieder in der Tötung, oder einer Auffangstation oder sie erleiden ein anderes, unvorstellbar schreckliches und grausames Schicksal...

                                                        © Text und Bilder Anja Herok
  
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